„FÜNF JAHRE „TEATR STUDIO AM SALZUFER“

„POLEN  UND  WIR“, Bonn, Februar 2009

„FÜNF  JAHRE  „TEATR  STUDIO  AM  SALZUFER“  
 Detlef Punt

Das „Teatr Studio am Salzufer“, die deutsch-polnische Bühne in Berlin- polsko-niemiecka scena w Berlinie – feierte am Samstag den 28.02.09 mit „Eine alte Frau brütet“ – „Stara kobieta wysiaduje“- von Tadeusz Różewicz sein fünfjähriges Jubiläum mit Grußworten des Vizepräsidenten  des Bundestages Wolfgang Thierse und des Regierenden Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit.
Die Initiatoren einer solchen Einrichtung in der Bundeshauptstadt waren auf polnischer Seite die Schauspielerin und Regisseurin Janina Szarek, die seit 1981 – damals als Emigrantin – in Berlin (West) / „Westberlin“ lebte, und auf deutscher Seite der Schriftsteller, Kunst- und Kulturwissenschaftler Prof. Olav Münzberg. Beide gründeten mit einigen Intellektuellen und Künstlern 1999 die Internationale Theater Werkstatt (ITW) Berlin. Deren erstes größeres Projekt war 2002 die „Transformschauspielschule“, um aus ihr – in etwa analog der Konzeption Stanislawskis – jeweils ein selbst ausgebildetes Ensemble projektbezogen aufzubauen. So kam es dann am 28.2.2004  zur Gründung des „Teatr Studio am Salzufer“. Die organisatorische und künstlerische Leitung haben Janina Szarek und Professor  Olav Münzberg inne.
Die Zeit, eine solche Bühne in der Bundeshauptstadt zu gründen, war nach dem Fall der Berliner Mauer kulturpolitisch längst reif, zumal befremdend festgestellt werden musste, dass der  Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht nur die Geschichte Polens, sondern auch die polnische Kultur unbekannt ist. Die Gründung erfolgte im Kontext und Vorfeld des Beitritts von Polen und anderer osteuropäischer Länder zur Europäischen Union (Mai 2004). Die Schirmherrschaft übernahmen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und der damalige polnische  Botschafter. Eröffnet wurde die Bühne mit dem Stück „Die weiße Ehe“ von Tadeusz Różewicz in der Regie von Janina Szarek.
In fünf Jahren wurden dreizehn Inszenierungen gemacht. Im Mittelpunkt standen und stehen Stücke polnischer Autoren ( u.a. Witkiewicz, Różewicz etc.). Wenn man aber das Stück eines nordamerikanischen Autors – so Neil Labute „Das Maß der Dinge“ – oder eines russischen – so Alexander Gelmans „Zwei auf einer Bank“ – inszenierte, wurde an ihnen die Emotionalität und besondere polnische Herangehensweise im Theater zum Ausdruck gebracht., wie sie weltweit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Bedeutung erlangte.
Seit der Gründung wurde das Teatr Studio am Salzufer ideell von Tadeusz Różewicz unterstützt. Różewicz besuchte es im September 2004 und erklärte nicht nur, dass ihm die Aufführung hier besser als im Residenztheater in München gefallen habe, sondern auch, dass es „ein Theater der biologischen und geistigen Erneuerung“ sei. Gilt das deutsche Theater als relativ köpfig, einem Technik- und Dingkult verfallen, effekthascherisch und oft langweilig, so steht hier, wie der Kritiker Bernhard Hartmann in „Theater der Zeit“ titelte „ Der Mensch steht im Mittelpunkt“.
Mit dem Stück  „Eine alte Frau brütet“ – „Stara kobieta wysiaduje“ – wurden Gastspiele in Deutschland – so im Schauspiel Leipzig, in Hamburg und in Frankfurt / Oder – und in Polen durchgeführt – so im „Teatr Współczesny”, dem „Zeitgenössischen Theater“ in Stettin, im Teatr Ludowy – Volkstheater in Krakau – und beim Festival R@port in Gdynia.
Gespielt wird in der Regel auf Deutsch. Angeboten werden aber auch Gastspiele in polnischer Sprache. So gastierte das Stettiner „Teatr Współczesny” zwei Mal mit “Maż i zona“ – „Mann und  Frau“ von Alexander Fredro, dem polnischen Moliere, und im Rahmen des Festivals „Kontrapunkt“ mit „Eine kleine“, der Adaption des Romans von Artur D.  Liskowacki – über die Geschichte Stettins 1945. Eine Kritik, die dieser Bühne gratuliert, brachte es auf den Punkt, als sie schrieb: „mit einer Ausnahmestellung innerhalb der Berliner Theaterlandschaft und mit seinem hohen künstlerischen Niveau leistet es (das Teatr…) einen entscheidenden Beitrag für das Verständnis (…) der polnischen Kultur in Deutschland.“